ANNA MEISSNER UND COSMO – ZWEI COACHES AUF SECHS BEINEN

THE WOW | Anna Meissner und Cosmo – zwei Coaches auf sechs Beinen
Als Anna Meißner ihren Hund Cosmo bekam, stieß sie an persönliche Grenzen, die sie vorher nicht kannte. Sie las so gut wie jeden Ratgeber und qualifizierte sich beinahe zur Hundetrainerin. Ihren eigenen Hund schien das aber nicht zu interessieren, die Probleme blieben. Erst als Anna bei sich anfing, verbesserte sich auch die Beziehung zu ihrem Hund. Heute hilft sie anderen bei der Suche nach der Antwort auf die Frage, wie Menschen mit Hund persönlich wachsen können.

Liebe Anna, wir wollten ja schon lange dieses Interview führen, aber in meinem Leben war die letzten Wochen ein wenig Chaos angesagt – joblich und privat. Da kommt mir direkt der Name Deiner Website in den Sinn: »Strukturgeberin«. Wie kommt es zu diesem Namen und was meinst Du damit?

Struktur bedeutet Selbstsicherheit. Im Chaos fühlt man sich oft unsicher und man weiß gar nicht mehr, wo man anfangen soll. Mir hat dieses Bild gefallen, weil es all das zusammenbringt, was ich tue. Als Strukturgeberin helfe ich Menschen, in chaotischen Lebenssituationen oder auch mit »Chaoshund«, eine Struktur in sich zu finden, z. B. eine Idee, wie es für sie ganz konkret weiter geht und welchen Schritt sie tatsächlich gehen können und wollen. Ich sage ihnen nicht, wie sie ihre Probleme lösen sollen, sondern helfe ihnen, eine gute Lösung für aus sich heraus zu finden.

Was läuft in den Beziehungen mit einem Hund häufig schief?

Hunde sollen heutzutage Problemlöser für viele persönliche und gesellschaftliche Herausforderungen sein. Sie sollen bspw. Kindern die Natur in die Großstädte zurück bringen, Menschen vom Burnout heilen und einsamen Menschen soziale Nähe bringen. Hunde können viel, aber sie können nicht unsere Probleme lösen. Und genau an diesem Punkt, wenn der Hund die Erwartungen nicht direkt erfüllt oder es mit Hund zu (noch mehr) Konflikten kommt, wird es schwierig. Dann verlagert sich das eigentliche Thema und auf einmal ist der Hund das Problem, beispielsweise wenn er krank oder verhaltensauffällig wird.

Wie können Hunde uns helfen, uns selbst auf die Spur zu kommen?

Über den Hund können wir herausfinden, was uns im Leben wichtig ist. Denn bei all dem Chaos, das er in unser Leben bringt, steht er auch für einen Wunsch, einen Traum oder eine Sehnsucht, die wir durch und mit ihm leben können. Um persönlich zu wachsen, brauchen wir keinen Hund. Aber für manche Menschen ist ihr Hund der Punkt im Leben, an dem sie sich trauen, einen Schritt weiter zu gehen und es schaffen, über sich hinaus zu wachsen. Der Hund bringt diese Menschen dazu, etwas für sich zu tun. Er gibt ihnen einen Grund, für sich selbst einzustehen.

Kannst Du das an Deinem Beispiel einmal erläutern? Welche Probleme hattest Du mit Deinem Vierbeiner und wie hast Du schließlich eine Lösung herbeiführen können?

Cosmo kam fast genau vor zehn Jahren zu mir. Es war immer mein Traum, einen eigenen Hund zu haben und kurz vor Ende meines Studiums dachte ich, wäre es ein guter Zeitpunkt. Ich habe damals von zuhause aus meine Diplomarbeit geschrieben und konnte mich gut um ihn kümmern. Rückblickend wurde Cosmo immer dann zum Chaoshund, wenn ich von meinem Weg abgekommen bin, z. B. weil ich einen Job angenommen habe, der mir eigentlich gegen den Strich ging. Cosmo zeigte mir sehr deutlich, was er von meinem Lebenswandel hielt. Er reagierte mit großer Anspannung, die sich auf unseren Spaziergängen entlud und sich bei ihm auch körperlich in schmerzhaften Rückenblockaden äußerte. Im Hundetraining hörte ich oft den Satz: »Dein Hund ist so, weil du so bist.« Aber wie sollte ich aus meiner Haut? Das konnte mir keiner sagen. Während einer Coaching-Ausbildung hatte ich dann einen AHA-Moment. Ich wollte im Coaching das Thema Arbeit angehen und plötzlich löste sich dadurch auch etwas mit meinem Hund. Ich fand heraus: Das geht auch umgekehrt. Es sind nicht DIE Lösungen im Sinne von Rezepten, die ich hier präsentieren kann. Eine Lösung war für mich, den Job zu wechseln und mit dem Blogschreiben zu beginnen. Als es mir besser ging, konnte ich auch wieder auf all das, was ich im Hundetraining gelernt hatte, zurückgreifen und habe mir die Übungen ausgesucht, die mich in meiner Führung stärken, z. B. Aufmerksamkeits- und Ruheübungen.

Kannst Du uns Cosmo einmal genauer vorstellen?

Cosmo ist ein mittelgroßer, fuchsbrauner, spanischer Jagdhundmischling. Fremden gegenüber ist er misstrauisch, aber wenn er dich kennt, dann hat er dich fest ins Herz geschlossen. Er ist ein Sensibelchen: Regen ist doof und Kälte auch. Am liebsten liegt mein Spanier in der prallen Sonne auf Steinfliesen. Aber Vorsicht: Du denkst, er schläft und trotzdem beschleunigt er bei Bedarf in drei Sekunden von Null auf 100km/h 😉

Wenn Du Cosmo drei Fragen stellen könntest. Welche wären das?

1. Von was träumst du, wenn du im Schlaf wuffst?
2. Bist du irgendwann auch einmal satt?
3. Welchen Beruf hättest du alternativ zu Persönlichkeitscoach gewählt?

Heute sagst Du: »Mein Hund steht für meine innere Freiheit«. Kannst Du uns dieses Bild erklären?

Nicht nur in der Hundewelt, sondern auch im »echten« Leben gibt es so viele Menschen, die wissen, wer, wie oder was du zu sein hast. Innere Freiheit hat man dann, wenn man sich von den (vermeintlichen) Erwartungen der anderen lösen kann. Cosmo erinnert mich daran, dass ich so sein darf wie ich bin und für mich selbst entscheiden kann.

Anfang des Jahres wurde Dein Buch publiziert: »Dein Hund, Deine Chance«. Wie ist die Idee zu diesem Titel gereift? Und was dürfen die Leserinnen erwarten?

Der Verlag FRED & OTTO kam im November 2015 auf mich zu, ob ich nicht ein Buch zum Thema Persönlichkeitsentwicklung mit Hund schreiben möchte. Es ist ein Übungsbuch für die Hundetasche, das dir hilft, dir selbst auf die Spur zu kommen und schwierige Situationen mit Hund zu meistern.

Was planst Du aktuell? Wo kann man dich z. B. treffen?

Ich bin am 25./26. März 2017 beispielsweise in Berlin und halte einen Vortrag „Dein Hund – Deine Chance. Was du braucht, um mit deinem Hund persönlich zu wachsen“ und einen Workshop „Dein Hund – Deine Geschichte“. Ich würde mich freuen, wenn jemand beim Lesen dieses Interviews Lust bekommen hat, noch mehr zum Thema zu erfahren. Alle Infos und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es auf meiner Website unter strukturgeberin.de

Was würdest Du allen Hundebesitzern noch mit auf den Weg geben wollen?

Geh’ mutig und klar deinen Weg!

Wer Anna und Cosmo folgen möchte, der findet die beiden bei Facebook oder liest ihren Blog. Anna freut sich außerdem immer über neue Kontakte und Nachrichten via XING.
© Interview: Sara Buschmann // Photocredits: Anna Meißner, Strukturgeberin

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