Sophie Grützner arbeitet als US Editor at Large bei der deutschen InStyle in New York. Ihre Hündin Tompkin ist mittlerweile ebenfalls waschechte Amerikanerin und liebt das Leben im »Big Apple«.
Liebe Sophie, seit wann bist Du New Yorkerin?
Seit 2013 – wieder. Von 1999 bis 2002 habe ich schon einmal hier gelebt und zwar am Tompkins Square Park im East Village, von dem Tompkin seinen Namen hat: Der Park hat einen der größten und schönsten »Dog Runs« der Stadt und ich habe damals oft am Zaun gestanden und die New Yorker mit ihren Hunden beobachtet. In einem dieser Momente beschloss ich, dass mein nächster Hund Tompkin heißen würde. Anfang 2004 war es dann soweit.
Tompkin ist ja mit Dir in die Staaten gezogen. Gab es besondere Herausforderungen beim Auswandern mit Hund?
Nicht wirklich, abgesehen von den üblichen Auflagen wie Impfungen und Mikrochip. Ich habe Tompkin allerdings erst nach zwei Monaten nachgeholt, um vorher alles zu regeln: Umzug, Streichen, EInrichten, Dog-Walker und Tierarzt finden, etc. – sie ist dann quasi ins gemachte Nest gekommen.
Stell‘ uns Tompkin doch mal vor!
Tompkin ist ein knapp 13 Jahre alter Mischling von einer mallorquinischen Baustelle, mit riesigen Augen und einer noch größeren Seele. Tompkins Schwanz wedelt 24/7 und sie bringt überall soviel Leben in die Bude, dass es richtig leer ist, wenn sie mal nicht da ist. Tompkin ist zwar mittlerweile fast taub und sieht nicht mehr besonders gut, aber ihre Lebensfreude ist zum Glück ungebrochen! Das Einzige, was Tompkin nicht mag: früh aufstehen. Vor 9 Uhr ist nicht ihre Zeit – was mir am Wochenende natürlich ganz recht ist.
Wie sieht Euer (Berufs-)Alltag aus?
Morgens und abends machen Tompkin und ich gemeinsam unsere große Runde, meistens in den Washington Square Park oder an den Hudson River und am Wochenende in den etwas entfernteren Tompkins Square Park. An allen drei Orten gibt es große »Dog Runs«, wie die Hundeauslaufstellen hier heißen. Ins Büro kommt Tompkin nur in Ausnahmefällen mit, im Rockefeller Center sind nämlich keine Hunde erlaubt.
Tagsüber kümmert sich ein Dog Walker um sie. Der Samstag ist für Tompkin übrigens das Highlight der Woche, dann gehen wir Futter für die kommenden sieben Tage bei Beasty Feast einkaufen – alle kennen Tompkin dort und sie wird immer mit Treats und viel Herzlichkeit begrüßt.
Als Redakteurin bist Du sicher auch viel auf Reisen. Wann begleitet Tompkin Dich und wann entscheidest Du Dich eher dagegen?
Seit ich in New York lebe, reise ich für Interviews kaum noch: Die meisten Termine sind hier vor Ort. Wenn ich für etwas längere Zeit meine Eltern in Hamburg oder meine Schwester und ihre Familie in Paris besuche, dann kommt Tompkin mit: Als Emotional Support Dog darf sie mit in die Kabine, wo sie sich einrollt und entspannt den gesamten Flug durchschläft – im Gegensatz zu mir…
Wem vertraust Du die Betreuung in dieser Zeit an?
Wenn ich für weniger als eine Woche unterwegs bin, geht sie zu einer Freundin nach Brooklyn oder Freunde aus Deutschland, die Tompkin noch von früher kennt, wohnen mit ihr in meiner Wohnung.
Wir haben uns ja in München kennengelernt, wo Ihr früher gelebt habt. Dort geht es meist ein wenig beschaulicher zu: Es gibt viele Grünflächen und ein ländliches Umfeld. Wie viel stressiger ist der Alltag in New York?
Wir leben im West Village, ein sehr grüner, ruhiger und gemütlicher Stadtteil: Die Straßen haben viele Bäume und wir sind umgeben von Parks wie dem Washington Square Park oder dem Hudson River Park. Es ist eine schöne Nachbarschaft, wir treffen immer einen von Tompkins Kumpels, sei es Neal, Buddy oder Walter.
Hektischer ist es in Midtown, wo ich arbeite, aber da Tompkin hier selten mitkommt, ist ihre Welt nicht stressiger als früher in München – das war mir auch sehr wichtig.
Haben Amerikaner eine andere Beziehung zu Hunden, als die Deutschen?
Im Großen und Ganzen nicht, aber da in Amerika ja alles etwas größer und übertriebener ist, »übertreiben« es die Amerikaner natürlich auch ganz gerne bei ihren Hunden: Die Vierbeiner gehen hier zum Teil in Dog Spas, in Hundetagesstätten oder sie nehmen an Halloween Dog Parades teil. Bei Letzterer sind wir übrigens auch dabei, da kommt dann im Washington Square Park die ganze vierbeinige Nachbarschaft zusammen – letztes Jahr war unser Verkleidungsmotto »American Hot Dog«, dieses Jahr gehen wir gemeinsam mit meiner Schwester, meinem Schwager und meinem 12-jährigen Neffen als Addams Family. Tompkin ist Vetter Itt.
Was liebst Du an Amerika und speziell an New York?
Ich liebe die Offenheit, die Entspanntheit. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht begeistert auf Tompkins Würstchenleine angesprochen werde. Ich mag das »Hey honey, how are you today?« morgens im Coffee Shop, das »I love your dress!« von einer Fremden in der Subway oder das »Have a wonderful day!« beim Verlassen des Supermarktes. Also das, was von vielen Deutschen immer als »amerikanische Oberflächlichkeit« beschimpft wird. Mir gefällt’s! Und Tiefe finde ich innerhalb meines Freundeskreises.
Außerdem mag ich die Unaufgeregtheit speziell der New Yorker: Über Kleinigkeiten regt sich hier keiner auf, dafür passiert hier einfach ständig zu viel Irres oder Unvorhersehbares. Ich liebe Europa, Deutschland, speziell meine Heimat Hamburg, aber mein Zuhause ist New York.
Was glaubst Du, würde Tompkin antworten, wenn sie auf die gleiche Frage antworten könnte?
Tompkin liebt es angequatscht und gestreichelt zu werden, von daher ist sie in New York am absolut richtigen Ort. Und sie zerrt schon aus größerer Distanz in Richtung »Dog Run«: Mit vielen Hunden zu spielen, ins Wasserbecken zu springen oder von Bänken aus das Treiben zu beobachten, das kannte sie so nicht aus München. Und vielleicht würde sie auch zugeben, dass sie ein bisschen in Richie, ihren super coolen Dog Walker, verliebt ist…
SOPHIE UND TOMPKIN IN DER FASHION-METROPOLE NEW YORK
Du bist ja Modejournalistin und liebst Fashion. Hat Tompkin auch eigene Outfits?
Tompkin hat für den Winter einen Pullover gegen die Kälte, den sie gerade so akzeptiert. Ansonsten hat sie eine erstaunliche Abneigung gegen alles, was ansatzweise chic ist: Sie hatte mal eine Leine von Chanel aus gestepptem Leder geschenkt bekommen – und obwohl Tompkin nie etwas kaputt macht, war die innerhalb kürzester Zeit in etwa 30 Einzelteile zerlegt. Als wollte sie sichergehen, dass man sie auf keinen Fall flicken könnte… Und auch das sehr hübsche Körbchen, das etwas erhöht auf vier Füßen stand, fand sie komplett albern: Sie hat wochenlang nur das Kissen rausgezerrt und sich davor gelegt. Ich habe es irgendwann aufgegeben. Tompkin ist eben ein handfester Hund und kein Schoßhündchen. Und ich bin ehrlicher Weise sehr froh darüber.
Manchmal hat man den Eindruck, dass Hunde neuerdings zu Mode-Accessoires werden. Beobachtest Du diesen Trend auch?
Klar sieht man ab und an mal Hunde mit Strasshalsbändern oder welche, die in luxuriösen Hunde-Buggys gefahren werden, aber die gehören selbst in einer Stadt wie New York (zum Glück!) zur Minderheit.
Warum hast Du Dich gegen einen Rassehund entschieden?
Weil es so unendlich viele (Straßen-)Hunde gibt, die unter schlimmen Bedingungen leben und ein liebevolles Zuhause verdienen. Für mich hat sich deshalb nie die Frage gestellt. Und auch hier in New York ist das Motto »Don’t shop – adopt!« sehr verbreitet.
Welche Shops oder Plätze sollten New Yorker Hundebesitzer unbedingt kennen?
Die Hundeauslaufplätze im Washington Square Park, Tompkins Square Park, Madison Square Park oder am Hudson River (Leroy Dog Run). Außerdem im West Village die Shops Doggystyle (University Place), Zoomies (Hudson Street) und Beasty Feast (ebenfalls Hudson Street).
Übrigens: Gibt es diese Hundenannies aus den Hollywood-Filmen mit zwölf Hunden an zwölf Leinen in New York wirklich?
Ja, die gibt es. Unser Dog Walker Richie nimmt aber nur maximal drei Hunde gleichzeitig mit. Er ist ein ausgebildeter Hundetrainer. Die Dog Walker, die bis zu zehn/zwölf Hunde gleichzeitig ausführen, sind häufig Kids Anfang 20, für die es einer von mehreren Nebenjobs ist – ich hätte damit für Tompkin kein ruhiges Gefühl.
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