Julia Marie Werner und ihr Hund Tschikko sind ständig auf der Jagd nach neuen Bildmotiven: Vor fünf Jahren lief ein streunender Mischlingswelpe der Fotografin in Spanien über dem Weg und seitdem gehen die beiden gemeinsam durchs Leben. Zurück in Julias Wahlheimat Hamburg wurde aus Tschikko ein Großstadtlöwe, der das Blitzlicht genießt und mittlerweile international bekannt ist.
Liebe Julia, erzähl doch mal von Deinem »ersten Date« mit Tschikko.
Damals war ich als Assistentin in der Automobil-Fotografie tätig. Für ein AUDI-Shooting waren wir mitten im Nirgendwo in der Nähe von Malaga unterwegs und weil wir ein großes Team waren hatte wir natürlich Catering am Start. Eines Tages war da war auf ein mal dieser kleine süße Hund, der sich am Mülleimer unseres Catering bediente.
Hattest Du früher schon Hunde oder den Wunsch nach einem eigenen Vierbeiner?
Ja, ich hatte vor Tschikko schon mal einen Hund, der aber zwei Jahre zuvor gestorben war. Tragischerweise war ich bei seinem Tod nicht anwesend und hatte daran lange zu knabbern. Eigentlich wollte ich nie wieder einen Hund haben, weil solch ein Verlust einfach unendlich schmerzt. Vor allem hatte ich Toyon, so hieß mein erster Hund, bereits mit 14 bekommen und er hatte mich die Hälfte meines Lebens begleitet.
Als ich dann damals als Fotoassistentin mit dem Equipment drei Tage allein nach Malaga fahren musste, weil die anderen direkt aus den USA eingeflogen wurden, kam mir unwillkürlich der Gedanke: »Ach mit Hund wäre das ja viel schöner«. Und tatsächlich: Kurz nachdem ich den Wunsch ausgesprochen hatte, schwupps, wurde er wahr!
Wie kam Tschikko dann mit nach Deutschland?
Ich war ja mit dem Auto unterwegs, da war es eigentlich klar, dass er mit zurückfuhr. Eine Crew-Mitglied kannte jemanden vom Tierschutz und gab mir den einen Kontakt. Ich traf die Dame dann eine Autostunde entfernt auf einem Parkplatz, damit sie Tschikko chippen und impfen konnte. Doch plötzlich da gab es eine ziemlich skurrile Szene: Als ich Tschikko aus dem Auto geben wollte – er hatte seinen Unmut schon durch Knurren angekündigt – fing er unvermittelt an zu schreien. Ich hatte einen Hund schon jaulen gehört, aber schreien? Noch nie! Ich hielt ihn felsenfest im Arm, obwohl Tschikko sogar um sich biss und vor lauter Todesangst seinen Darm komplett entleerte.
Als er sich wieder beruhigt hatte, standen wir alle ziemlich unter Schock. Wir brachten das Impfen hinter uns und säuberten alles – also das Auto und mich.
Dies war aber der einzige Ausraster, den Tschikko je hatte. Sowas kam nie wieder vor. Wir fuhren dann auch genüsslich drei Tage nach Hamburg zurück und setzten uns im Anschluß gleich in den Zug nach Esslingen bei Stuttgart, wo ich damals noch lebte. Diese Reise hat Tschikko souverän gemeistert!
Tschikko heißt ja eigentlich »Tschikko Leopold von Werner«. Wie kommt er zu diesem adligen Namen?
Im Spanischen bedeutet Chico »kleiner Junge«, das passte, denn ich habe Tschikko ja als Welpe gefunden. Leopold steht für Löwe und von Werner bezieht sich auf meinen Nachnamen. Der Rufname ist aber einfach nur Tschikko.
Und wie wurde er zum »Hamburger Großstadtlöwen«?
Ich wollte nach Hamburg ziehen, meinen Mietvertrag hatte ich vor dem Malaga-Shooting schon unterschrieben. Eigentlich war alles geregelt. Mit Hund wollte mich die WG allerdings nicht mehr aufnehmen und so zog ich erst einmal für drei Monate in ein ehemaliges Seemannsheim. Im Anschluss hatte ich aber dann Glück und fand eine schöne Wohnung für uns beide!
Ich fühlte mich total wohl in Hamburg und verliebte mich vom ersten Moment an in diese Stadt. Als Fotografin und Künstlerin bin ich immer unterwegs und auf der Suche nach Ideen für freie Arbeiten. Tschikko bewies sehr schnell sein Talent als Model. Er ist sehr fotogen und schnell wurden wir in Sachen Fotos ein gutes Team. Bereits in Malaga hatte ich eine Ähnlichkeit mit Simba, dem kleinen Löwen aus »The Lion King« ausgemacht – eigentlich fehlte nur noch die Mähne. Mit einer Freundin nähten wir dann an einem Nachmittag eine tolle Mähne zusammen und ich fing an, mit Tschikko durch die Hamburger City zu ziehen. Wir entdeckten eine Vielfalt an schönen Orten und hielten alles fotografisch fest. Tschikko hat großen Spaß an diesen Touren.
JULIA UND TSCHIKKO
Ruft die Mähne denn auch eine Verhaltensänderung bei Tschikko hervor?
Sagen wir mal so: Tschikko zieht seine Mähne super gerne an, weil er weiß, dass es dann Aktion gibt und er jede Menge Leckerlies bekommt. Er ist kleiner Poser – egal ob mit oder ohne Mähne – und steht super gerne vor der Kamera. Um sein Selbstbewusstsein zu stärken, habe ich irgendwann angefangen, ihm Tricks beizubringen und mittlerweile bleibt er beim Fotografieren still stehen, bis ich ihm ein Kommando gebe. Unsere Bilder entstehen alle einzeln, da Tschikko sich, wie alle Hunde, nicht länger als eine gute Viertelstunde am Stück konzentrieren kann. Die Entstehung unserer Bilder ist immer mit viel Spaß, Teamwork und gegenseitigem Vertrauen verbunden.
Merkt man Tschikko seine Wurzeln manchmal noch an?
Ja, schon. Vor allem, wenn wir andere Streuner treffen: Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie eine eigene Sprache sprechen und ein besseres Sozialverhalten haben. Auf einem Job, bei dem wir bis spät in die Nacht fotografiert haben, war es total faszinierend zu sehen, wie er im Gras angefangen hat ein Nest zu trampeln und sich schlafen zu legen. Außerdem beobachtet er die Flugzeuge am Himmel, wenn sie über uns ziehen. Ob er glaubt, dass es Greifvögel sein könnten?
Noch ein Hinweis auf seine Herkunft: Tschikko ist ein richtiger Langschläfer; ein echter Spanier halt.
Wie lebt ihr heute?
Ich wohne in Klein Flottbeck und mein Büro ist in Altona. Wir fahren jeden Tag mit den Öffentlichen durch Hamburg und Tschikko kommt eigentlich überall mit hin. Oft fangen dann wildfremde Menschen an mit ihm zu kommunizieren, weil er so einen intensiven Blick hat und besondere Augen hat. Tschikko starrt immer alle an, manchmal hat es schon etwas menschlich. Wenn ich für einen Job arbeite und der Kunde Hunde mag, kommt Tschikko auch gerne mit auf Tour. Er war beispielsweise schon einige Male mit in Spanien und Frankreich. Geht es aber mit dem Flugzeug auf Reisen, dann wohnt er bei zwei wunderbaren Menschen, die ihn auch abgöttisch lieben.
Wo ist Tschikkos Lieblingsplatz?
Tschikko lieb alles, was warm und kuschelig ist. Sonnenstrahlen findet er toll! Kalte Untergründe hingegen mag er nicht. Zuhause würde er am liebsten mit aufs Sofa, aber wir konnten ihn glücklicherweise alternativ von einem Kuschelkissen überzeugen. Auch im Fußraum von Autos liegt er gerne: Reisen ist seine Leidenschaft.
Welche drei Fragen würdest Du Tschikko stellen, wenn er antworten könnte?
1. Wo kamst Du her?
2. Was denkst Du eigentlich, wenn Du mich so anstarrst?
3. Hat Gott Dich zu mir gesandt?
Ohne Hund wäre ich…
…heute längst nicht so bekannt und mein Leben nur halb so aufregend!
Wo kann man Euren Abenteuertouren folgen?
Vielleicht trefft ihr uns in Hamburg in der Stadt bei einem unserer Ausflüge, ansonsten bin ich auf Facebook, aber auch Tschikko hat eine eigene Fan-Page. Außerdem posten wir regelmäßig auf Istagram.
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