Das gerade ausgezeichnete, künstlerische Werk der Slowenin Maja Smrekars kreist um die ewigen Fragen der Menschheit: Wo kommen wir her? Was sind wir? Und wo gehen wir hin?
Ihre Werkreihe “K-9_topology” fasst mehrere Projekte zusammen, die sich aus jeweils anderen Perspektiven mit dem Wesen und der Rolle des Menschen – im speziellen der Frau – in einer zunehmend biopolitischen und postpanoptischen Welt befassen.
Die Arbeit »ECCE CANIS« etwa rückt Prozesse des Stoffwechsel in den Mittelpunkt: Aus dem Gewebshormon und Neurotransmitter Serotonin der Künstlerin und ihrem Hund Byron schufen ChemikerInnen einen Duftstoff, der die chemische Essenz der Beziehung zwischen Menschen und Hund symbolisiert.
Die im Rahmen einer Residency in den französischen JACANA Wildlife Studios entstandene Performance »I HUNT NATURE AND CULTURE HUNTS ME« dagegen dreht sich um die Phylogenetik des Wolfs sowie die Beziehung zwischen Wolf, Hund und Mensch und fragt nach einer Tierethik.
Das Projekt »HYBRID FAMILY« thematisiert die soziale und ideologische Instrumentalisierung des weiblichen Körpers und des Stillens. Für die Dauer von drei Monaten unterzog sich Maja Smrekar einer milchtreibenden Diät und stimulierte durch das systematische Abpumpen ihrer Brust die Produktion des Hormons Prolactin. Nebeneffekt dieses Prozesses war die Produktion des Hormons Oxytocin, das eine wichtige Rolle hinsichtlich des zwischenmenschlichen Vertrauens und der Empathie zwischen Mutter und Kind spielt.
»ARTE_mis« ist das vierte Projekt der Reihe, bei dem eine Eizelle der Künstlerin entkernt wurde und als Wirt für eine Körperzelle ihres Hundes diente. Ergebnis ist eine hybride Zelle, der ein dystopisches Szenario innewohnt, die gleichzeitig aber eine neue Species schaffen könnte, deren Überlebenschancen auf dem Planeten Erde besser sind als unsere – nicht zuletzt deswegen, weil dieses Mischwesen seine Umwelt humaner behandeln würde als wir das tun.
Für ihre Werkreihe »K-9_topology« erhielt die slowenische Künstlerin die Goldene Nica 2017 in der Kategorie Hybrid Art:
K-9 TOPOLGY is a true hybrid artwork with profound bio-political message and is certain to bring a lot of discussion to the audience from both art and science sides.
Statement der Prix Ars Electronica Jury, 2017
Das Projekt wird viel diskutiert und ist in Österreich, Linz ist der Austragungsort des Prix Ars Electronica, extrem umstritten. Festial-Leiter Gerfried Stocker hält jedoch dagegen: Smrekar ziele nicht auf Provokation ab, sondern zeige »das Spannungsfeld der problematischen Gentechnologie und deren Manipulationen« auf. Dass diese Diskussion nun öffentlich werde, »beweist die Wichtigkeit und Relevanz dieses Themas«, so Stocker.
Zum Festival Ars Electronica erscheint übrigens regelmäßig ein Katalog im Hatje Cantz Verlag.
© Maja Smrekars // K-9_topology, Borut Peterlin
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